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Arbeitsunfähigkeit

Inhalte (Letztes Update: 17.10.2017):
Berufsunfähigkeitsversicherung
Erwerbsunfähigkeitsversicherung
Dread-Disease bzw. Schwere-Krankheiten-Versicherung
Grundfähigkeitsversicherung
Unfallversicherung


Berufsunfähigkeitsversicherung

Ist die Versicherung sinnvoll?
JA
Kann der bisherige Job aufgrund einer Erkrankung zu weniger als 50 % in der Woche ausgeführt werden, so zahlt die Versicherung monatlich einen entsprechenden Beitrag bis zu einem vereinbarten Alter (meistens zwischen 62 bis 67 Jahren) unabhängig davon, ob Sie in einem anderen Beruf mehr als 50 % arbeiten könnten. Das heißt, Ihr niedrigeres Gehalt wird durch eine BU-Versicherung aufgestockt, so dass Sie im besten Falle keine oder nur geringe Einkommensverluste haben. Die BU-Versicherung ist damit bei chronischen Erkrankungen eine der wichtigsten Versicherungen, da mit Fortschreiten der Erkrankung eine Berufsunfähigkeit von mehr als 50 % wahrscheinlich wird. Dies wissen natürlich auch die Versicherer und dementsprechend schwer ist es, eine BU abzuschließen, wenn eine chronische Erkrankung bereits vorliegt.

Wie kann ich die Versicherung abschließen?
Es gibt fünf Möglichkeiten:

1. Möglichkeit: Der reguläre Weg
Es ist tatsächlich möglich, mit einer chronischen Infektion oder Erkrankung eine BU-Versicherung mit normalen Tarif über einen Makler abzuschließen. Sie müssen dabei bis auf Ihre Erkrankung oder Infektion absolut kerngesund sein. Die Erkrankung oder Infektion sollte ebenso neu diagnostiziert oder nicht nicht eindeutig sein und eine günstige Prognose haben. Beispielsweise bedeutet heutzutage eine HIV-Infektion aufgrund besserer Medikamente nicht mehr zwangsläufig, dass man nicht bis zum Rentenbeginn arbeiten wird. Einige Versicherer, eher die großen, lehnen Sie dann nicht sofort ab, sondern führen eine individuelle Risikoprüfung durch.
In den meisten Fällen müssen Sie hier aber einen kompletten, nicht-anonymisierten Antrag stellen. Klären Sie daher unbedingt vorab, ob der Versicherer Sie in das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft einträgt oder die Prüfung nur intern erfolgt. Sind Sie mit Ihrer Erkrankung erst im HIS eingetragen, wird es nur schwieriger bis unmöglich, andere Versicherungen zu finden.

2. Möglichkeit: Über den Arbeitgeber
Die betriebliche Altersvorsorge kann vom Arbeitgeber zusätzlich um eine Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzt werden. Hierzu schließt der Arbeitgeber mit einem Direktversicherer einen entsprechenden Vertrag ab. Der Vorteil für die Mitarbeiter sind die niedrigen Hürden. Im Prinzip garantiert der Arbeitgeber gegenüber dem Versicherer nur, dass der jeweilige Mitarbeiter voll arbeitsfähig ist ohne weitere Gesundheitsprüfung. Der Nachteil ist, dass der Arbeitgeber den Tarif auswählt und damit auch über die Höhe der BU-Rente entscheidet. Ebenso ist bei einem Jobwechsel zu klären, ob die BU-Versicherung selbstständig fortgeführt werden kann.

3. Möglichkeit: Über einen Berufsverband
Versicherer arbeiten gerne mit Berufsverbänden zusammen, um maßgeschneiderte Produkte an ein klar definiertes Klientel bringen zu können. Gerne werden hierbei auch BU-Versicherungen mit vereinfachter Gesundheitsprüfung zu dennoch guten Tarifen angeboten. Es lohnt sich daher, zu prüfen, ob der eigene Job auch einen Berufsverband hat und ob dieser mit einem Versicherer kooperiert. Nachteilig ist, dass Sie dem Berufsverband selbstverständlich beitreten müssen und somit Jahresgebühren zahlen, um die Versicherung abschließen zu können. Verlassen Sie den Verband, sollten Sie die Versicherung dennoch weiterführen können.

4. Möglichkeit: Sonderaktionen
Im Versicherungsmarkt kommt es immer wieder zu Sonderaktionen. Beispielsweise können die Gesundheitsprüfungen von guten Tarifen gelockert sein, wenn Sie im letzten halben Jahr Mutter oder Vater wurden, Sie ein bestimmtes Alter unterschreiten oder einer bestimmten Berufsgruppe angehören. Es lohnt sich, hier immer mal wieder online zu recherchieren.

5. Möglichkeit: Vereinfachte Gesundheitsprüfung
Etliche Versicherer bieten auch BU-Versicherungen mit vereinfachten Gesundheitsfragen an. Die Versicherer wissen hier natürlich um das Risiko, Personen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit zu versichern. Dementsprechend sind die Tarife nicht gut (z. B. geringe Maximalhöhe der BU-Rente) oder mit Einschränkungen verbunden (z. B. keine Leistung bei Berufsunfähigkeit innerhalb der ersten 5 Jahre).

Fazit: Auch wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, so bleiben meistens nur wenige oder sogar nur eine übrig. Je nach chronischer Erkrankung und der damit einhergehend Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit sollte der Tarif aussehen. Ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie vor Rentenbeginn berufsunfähig werden, so versuchen Sie das Maximale aus der Versicherung herauszuholen (d. h. Höhe der BU-Rente, Dynamiken usw.). Sie zahlen dann in jungen Jahren lieber mehr ein, wenn Sie noch voll arbeiten können und ausreichend Geld haben. Müssen Sie Ihre Arbeitszeit später reduzieren, sind jedoch noch nicht offiziell berufsunfähig (d. h. über 50 %), dann können oder müssen Sie die Versicherung beitragsfrei stellen, falls die Beiträge zu hoch werden. Im finanziell (nicht gesundheitlich) besten Falle haben Sie hier aber bereits gut eingezahlt und, da die Sie höchstwahrscheinlich bald berufsunfähig bzw. anspruchberechtigt sind, halten sich die Einschränkungen bei der BU-Rente in Grenzen.


Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Dread-Disease bzw. Schwere-Krankheiten-Versicherung, Grundfähigkeitsversicherung

Ist die Versicherung sinnvoll?
EVENTUELL
Alle diese Versicherungen gelten als Alternative, falls der Abschluss einer BU-Versicherung nicht möglich ist. Keine dieser Versicherungen, auch miteinander in Kombination, kommt an den umfassenden Schutz einer BU-Versicherung heran.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung greift erst, wenn Sie weniger als 3 Stunden pro Woche in irgendeinem (!) Beruf arbeiten können. Eine Dread-Disease-Versicherung zahlt eine vereinbarte Einmalsumme, wenn Ihnen ein bestimmte schwere Krankheit (z. B. Krebs) diagnostiziert wurde. Sie leistet daher nicht bei psychischen Leiden oder körperlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf eine schwere Krankheit zurückzuführen sind (z. B. Bandscheibenvorfall). Die Grundfähigketisversicherung zahlt erst eine Rente, wenn Sie eine Grundfähigkeit (z. B. Sehen) vollständig (!) verlieren, was je nach Krankheit lange dauern kann. Sollten Sie keine BU-Versicherung abschließen können, ist eine Ewerbsunfähigkeitsversicherung eventuell in Kombination mit einer Dread-Disease-Versicherung und / oder Unfallversicherung (siehe unten) noch sinnvoll. Eine Grundfähigkeitsversicherung lohnt sich nur in seltenen Fällen, wenn Sie ein hohes Risiko haben, eine Grundfähigkeit zu verlieren (z. B. erhöhte Unfallgefahr im Beruf).

Wie kann ich die Versicherung abschließen?
Alle diese Versicherungen sind ebenso mit Gesundheitsfragen gepaart, wobei diese weniger umfangreich ausfallen als bei einer BU-Versicherung. Dennoch sind chronische Erkrankungen meistens ein Ausschlussgrund für die Versicherer.
Für den Abschluss der Versicherungen gelten im Prinzip die gleichen fünf Möglichkeiten wie bei einer BU-Versicherung. Bei einer Dread-Disease-Versicherung darf Ihre Erkrankung logischerweise nicht als eine der schweren Krankheiten gemäß den Versicherungsbedingungen gelistet sein. Es gibt Dread-Disease-Versicherungen, die eine geringere Anzahl an schwere Krankheiten umfassen (z. B. Fokus auf Krebs). Hier stellt sich dann die Frage, ob sich die Versicherung für Sie dann überhaupt noch lohnt. Ist es für Sie wahrscheinlicher, eine der wenigen schweren Krankheiten diagnostiziert zu bekommen, für die Sie Geld erhalten, oder ist es wahrscheinlicher, eine komplett andere schweren Krankheit zu entwickeln, für die Sie kein Geld bekommen?
Bei der Grundfähigkeitsversicherung sei darauf hingewiesen, dass diese bisher nicht sonderlich populär ist und es dementsprechend wenige Angebote gibt.


Unfallversicherung

Ist die Versicherung sinnvoll?
EVENTUELL
Eine Unfallversicherung kann sinnvoll sein, wenn Ihre Erkrankung oder die Behandlung zum Beispiel mit Schwindel oder Unkonzentriertheit einhergeht und Sie ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko haben. Sie kann auch sinnvoll sein, wenn keine Versicherung im Bereich der Arbeitsunfähigkeit (z. B. BU-Versicherung) abschließbar ist. Heutzutage werden jedoch nur wenige Menschen wegen eines Unfalls tatsächlich arbeitsunfähig. Sie ist daher nur in wenigen Fällen wirklich sinnvoll.

Wie kann ich die Versicherung abschließen?
Sie können die Versicherung ganz normal abschließen. Für chronisch Kranke gibt es jedoch einige Punkte zu berücksichtigen.
Haben Sie einen Unfall, so richtet sich die Summe, die Sie von der Versicherung erhalten, nach dem Grad Ihrer Invalidität nach dem Unfall. Sie erhalten also nicht die komplette Versicherungssumme sondern nur einen prozentualen Anteil und diesen auch nur, wenn Sie bleibende körperliche Beeinträchtigungen davontragen. Gerne wird auch eine Progression von bis zu 350 % vereinbart. Grob gesagt wird damit die vereinbarte Versicherungssumme um bis zu 350 % bzw. dem Faktor 3,5 erhöht.
Dies alles kann bei chronischen Erkrankungen problematisch werden. Der Grund ist der Mitwirkungsanteil. Haben Sie einen Unfall, so prüft die Versicherung, inwieweit der Unfall durch eine bereits vorhandene Erkrankung verursacht sein könnte. Wird beispielsweise eine Mitwirkung von 40 % der Erkrankung am Unfall festgestellt, so reduziert sich auch dementsprechend die Geldsumme, die Sie erhalten. Diese Summe wird aus der Gesamtversicherungssumme berechnet, die Sie vereinbart haben, und zwar ohne Berücksichtigung der Progression. Der Progressionsfaktor wird erst danach auf die so ermittelte Summe angewandt.
Konkret bedeutet dass für Sie, dass Sie eine Unfallversicherung benötigen, die erst ab einem hohen Mitwirkungsanteil Kürzungen vornimmt oder den Mitwirkungsanteil komplett nicht berücksichtigt. Zusätzlich müssen Sie eine hohe Grundversicherungssumme vereinbaren, falls der Mitwirkungsanteil nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Die Progression ist hier eher zweitrangig.
Vergessen Sie bitte auch nicht, dass Ihre Versicherung logischerweise von Ihrer Krankheit erfährt, sobald Sie einen Unfall melden. Die Versicherung hat dann, nachdem Sie für den Unfall geleistet hat, ein Kündigungsrecht. Eventuell können Sie auch einen Kompromiss finden und der Mitwirkungsanteil wird für zukünftige Unfälle zugunsten der Versicherung reduziert. Das heißt, es kommt auch bei einer prozentual geringeren Beteiligung Ihrer Erkrankung am Unfall bereits zu Kürzungen.